Die optimale Pflanzzeit

Pflanzen, wenn es für die Pflanzen und den Garten gut ist.

Alles verlangsamt sich im Garten. Viele Pflanzen haben ihre Arbeit getan, Wachstum und Blüte sind beendet. Nicht nur Früchte sind reif, sondern auch jede Menge Samen. Die Rosen verkahlen zusehends und dort, wo Verblühtes stehen geblieben ist, bilden sich jetzt Hagebutten.

Auch wenn sich der Garten nicht mehr so rasant verändert wie im Frühjahr – Wachstum findet im Herbst und Winter trotzdem statt. Das fällt bei Gräsern und Kräutern auf, die sich überraschend im Gemüsebeet ansiedeln, auch Vogerlsalat wächst zwar langsam, aber beständig zur Größe heran, wo wir ihn ernten.

Eine gute Zeit, um Neues zu pflanzen. Denn wenn auch oberirdisch nicht viel passiert – unterirdisch entstehen Wurzelhaare, mit denen Pflanzen Wasser, aber auch Mineral- und Nährstoffe aus dem Boden aufnehmen können. Kommt das Frühjahr, haben sie alle Vorbereitungen getroffen, um sich über der Erde entfalten zu können. Laubbäume werden gepflanzt, wenn sie keine Blätter mehr haben. Ihre Energie stecken sie dann vermehrt in Wurzeln, als in oberirdische Teile. Was jetzt gepflanzt wird, ist gegen Ende des Erstfrühlings startklar. Ausnahmen sind Gehölze, die bei uns nur als bedingt winterhart gelten. Sie benötigen meist mehr Wärme, um zu wachsen und kommen besser im Frühling in den Garten.

Gute Erde ist die Basis allen Wachstums. So reich sie an Leben ist, ihre Hauptbestandteile sind Humus, also organische Substanzen, Sandkörner, Ton und Schluff. Wo Kürbisse, Erdäpfeln und Erdbeeren geerntet werden, entnehmen Menschen Nährstoffe, die sonst an Ort und Stelle geblieben wären: Früchte, die keinen Abnehmer finden, vergehen, und alles, was in ihnen enthalten ist, wird wieder freigesetzt. Wo etwas weggenommen wird, sollte es auch wieder ersetzt werden – zumindest wenn die Pflanzen weiterhin erntewerte Mengen produzieren sollen. Traditionell wird mit Mist gedüngt, doch wer hat noch Zugriff darauf? Daher greift man eher auf anderes zurück. Hornspäne, Knochen- und Blutmehl oder Dung-Pellets fügen dem Erdreich tierische Substanzen zu, Urgesteinsmehl und Asche mineralische. Während solche organischen Dünger die Stoffe eher langsam abgeben, wirken mineralische Fertigdünger zwar schnell, tragen aber zur Struktur im Boden nichts bei, wie organisches Material das kann.

Bei einer Temperatur von 4°C stellen Pflanzen den Stoffwechsel ein. Laubabwerfende Gehölze ziehen schon im Herbst alle wichtigen Stoffe aus den Blättern ab und lagern sie im Holz ein, denn dort sind sie vor dem Frost sicher. Zucker, Chlorophyll, alles ist in den Knospen bereits vorhanden. Wenn es wieder wärmer wird, ist für den Baum der Winter vorbei, und er treibt aus. Die kritische Grenze für fast alle Stoffwechselvorgänge bei Pflanzen liegt bei 4°C. Dann stellen sie alle Vorgänge ein. Je kälter es wird, desto mehr Zucker produziert die Pflanze in ihren Zellen, indem sie Stärke umwandelt. Denn Zucker ist so eine Art Frostschutzmittel. Darum essen Sie auch den Grünkohl im Winter so gerne. Der ist eigentlich bitter, aber wenn einmal der Frost darübergegangen ist, wird die Stärke zu Zucker, der dann den Bittergeschmack übertüncht. Ist es nicht mehr kalt, dann kann die Pflanze den Zucker wieder in Stärke zurückverwandeln.

Zuckergehalt, Licht und Temperatur initiieren den Austrieb. Wann das ist, kann unterschiedlich sein, je nachdem, wo die Pflanze herkommt. Unsere heimischen Gewächse ruhen am längsten, eine Anpassung an das hiesige Klima. Sie sind somit vorbereitet, das noch einmal ein später Frost kommen kann. Andere Pflanzen, mediterrane zum Beispiel, tragen oft die sogenannten Spätfrostschäden davon. Und davon gab‘s heuer zur Genüge, denken Sie nur an die verlorene Marillenernte!

 

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