Mehr als ein Durchschnitts-Wiener

Leopoldis Lieder herrlich innig bis grantig gesungen

Steinhauer und Band überzeugten in St. Florian.

Leopoldis Lieder herrlich innig bis grantig gesungen

In der Mitte in seinem Element: Erwin Steinhauer, (v. l.) Peter Rosmanith (Drums), Christoph Petschina (Bass), Maciej Golebiowski (Klarinette) Bild: Atteneder

Von Katrin Wagner (OÖ Nachrichten):

Einen grandiosen Abend legten „Erwin Steinhauer & klezmer reloaded extended“ mit Songs von Hermann Leopoldi vergangenen Freitag in St. Florian hin.

Dabei war ihr Auftritt im Palmenhaus der Gärtnerei Sandner, der in der Reihe der OÖ. Stiftskonzerte präsentiert wurde, zugleich eine Verbeugung vor dem aus Meidling stammenden „Klavierhumoristen“ und dessen Exilantenschicksal. Hermann Leopoldi wurde 1938 von den Nazis in die Konzentrationslager Dachau und Buchenwald deportiert. Das USA-Exil war seine Lebensrettung. Leopoldis Hits sind Spiegelbild seines Lebens: Wiener Schmäh vom Feinsten im Ringen um ein Busserl – „in der Barnabittengassen, wo sie sich noch hat bitten lassen“ – bis hin zu den Sprachproblemen des „Durchschnitts-Wieners“ im kantigen New Yorker Exil.

Mimik, die Bände sprach

Virtuos und unglaublich relaxt kam die Musik daher. Eine Fusion russisch-jüdischer Folklore mit dem Charme des Wiener Walzers, mit Tanzmusik aller Länder, mit Jazzigem und Chansonhaftem. Und wenn dann noch Grooves im Funk den Boden legen, schwingt das alles unglaublich gut!

Steinhauer wirft sich in die Charaktere hinein, innig und grantig, herzrührend und witzig. Seine Mimik bei so manchem Intro spricht Bildbände. Das nimmt gefangen.

Ein Wurf war das „Kleine Café in Hernals“, ein Renner das „Schnucki in Kentucky“ – allvertraute Wendungen im neuen Gewand. Maciej Golebiowski spielte eine betörende wie herausfordernde Klarinette, Alexander Shevchenkos Akkordeon tönte leicht und beweglich. Charmant die Bassgänge von Christoph Petschina und versiert die Drums von Peter Rosmanith.

Fazit: Steinhauers großer Kunst ist es zu verdanken, dass die Miniaturen von Hermann Leopoldi auch in musikalischer Neuauflage authentisch klingen. Die Musiziergabe seiner Combo ermöglichte ein Crossover in bester Manier.