Gießen & Düngen im Hochsommer

Richtiges Gießen stellt für viele Menschen die größte Herausforderung beim Gärtnern dar. Zurecht muss leider gesagt werden, denn falsches Gießen führt schlussendlich die Liste mit den häufigsten Todesursachen von Pflanzen an. Tendenziell meinen wir es oft sogar zu gut mit der Pflanze, d. h. ein zu gut gemeintes Wässern tritt häufiger auf. Krankheits- oder Schädlingsbefall ist dann meist nur mehr die letzte Konsequenz, bevor die Pflanze den totalen Garaus macht.

Wie nimmt die Pflanze Wasser auf?

Bevor wir uns dem Gießen annähern, ist es daher sehr wichtig, auch einige Grundlagen von der Biologie der Pflanze zu betrachten. 90% des Wassers werden natürlich über die Wurzeln aufgenommen. Es ist daher das wichtigste Organ der Pflanze und demnach sollte man diesem auch beim Gärtnern die größte Beachtung schenken. Nur 10% des Wassers werden über Stängel oder Blätter aufgenommen. Denken Sie an den Tau am Morgen oder auch an den klassischen Regen, wo die Pflanzen durch Öffnen der Spaltöffnungen auch Feuchtigkeit direkt aufnehmen kann.

Den sichtbaren Wurzeln kommt bei der Wasseraufnahme allerdings nur wenig Bedeutung zu. Die eigentlichen Wasseraufnehmer sind winzig kleine Faserwurzeln, die als Fäden an den Wurzeln hängen. Diese brauchen zum Atmen Sauerstoff und diese spielen gerade beim Anwachsen von Pflanzen die Hauptrolle.

Wo wächst meine Pflanze?

Hier gilt es nicht nur die unterschiedlichen Bodenarten und Substrate zu berücksichtigen, sondern in erste Linie auch, ob sich die Pflanze in einem geschlossenen Gefäß wie ein Topf oder Kistchen befindet oder im klassischen gewachsenen Boden. Zweiteres ist wenn möglich immer zu bevorzugen. Keine Pflanze würde von selbst auf die Idee kommen, sich in einen Topf zu setzen!

Da unsere Wunschvorstellungen nicht immer ein Auspflanzen möglich machen, gibt es natürlich auch Methoden, das Gärtnern im Topf besser und einfacher zu gestalten. Hier heißt die wichtigste Übung – der Griff zu Qualitätserden!

Was ist eine Qualitätserde?

Eine Qualitätserde hat die besten Bestandteile in einem guten Verhältnis vereint und sorgt dadurch von Haus aus für eine gute Wasserspeicherung mit gleichzeitiger guter Luftzufuhr, die gerade für die Wurzeln lebensnotwendig ist. Natürlich ist hier auch die Pflanzenart zu berücksichtigen. Aus der Erfahrung heraus wissen wir jedoch, dass gut 90% der unsrigen Pflanzenvielfalt mit der OÖ Gärtnererde wunderbar zurecht kommen. Die vielen Spezialerden sind teilweise eine Erfindung des Handels, um mehr Umsatz zu lukrieren. Die Vorteile sind hier meist nicht spürbar.

Was kann ich noch für meine Wurzel tun?

Neben dem Griff zum guten Substrat wirkt eine Dränage oft Wunder, um Staunässe vorzubeugen. Das Gefäß sollte natürlich trotzdem Löcher aufweisen, damit überschüssiges Wasser immer abfließen kann. Wasserspeicherkästen mit Anzeige erleichtern das Handling aber ebenso. Die Luftzufuhr sollte immer gegeben sein – also dem äußerste Priorität einräumen.

Klassische Parameter, an die beim Gießen zu denken ist:

  • Erde/Substrat – gewachsener Boden/Topfgröße
  • Standort
  • Witterung & Jahreszeit (Tageslänge)
  • Temperatur
  • Wind
  • Pflanzenart & -alter

Wie zuerst besprochen muss vorerst unterschieden werden, ob die Pflanze im Topf oder im Boden wächst. Im Topf hat die Pflanze nur begrenzten Spielraum zur Durchwurzelung. Außerdem erhitzt sich ein Topf von mehreren Seiten und trocknet dadurch schneller aus. Neben der Wahl zum besten Substrat ist daher auch die Topfgröße ein entscheidender Faktor. Je länger die Pflanze im gleichen Topf steht, ist daher auch mit einer geringeren Speicherfähigkeit des Substrats zu rechnen.

Entscheidend ist auch die Wahl, ob eine Bioerde oder konventionelle Erde gewählt wurde. Bioerden trocknen in der Regel noch bedeutend schneller aus und müssen daher oft doppelt so oft gegossen werden.

Standort, Witterung & Jahreszeit, Temperatur und Wind beeinflussen natürlich die Wassermenge entscheidend. Beachten Sie bei der Jahreszeit auch die unterschiedliche Tageslichtmenge. Im Winter gibt es zudem meist nur wenig Sonnentage. Gerade beim Wechsel von Jahreszeiten ist die Änderungen im Gießverhalten zu berücksichtigen. Ein Mulchen des Gemüse- oder Staudenbeets wirkt an heißen Hochsommertagen zudem Wunder vor Austrocknung.

Zusätzlich hat aber natürlich auch die Pflanzenart eine sehr wesentliche Bedeutung beim Gießen.

Die Blattbeschaffenheit der Pflanze

Je länger man gärtnert, desto mehr bekommt man natürlich ein Gespür für das Aussehen der Pflanzen. Diese haben sich ja über die Jahrhunderte bzw. Jahrmillionen viele Ideen ausgedacht, sich vor Austrocknung zu schützen.

  • Blattgröße
  • Blattoberfläche
  • Blattstärke
  • Farbe
  • Behaarung

Je größer die Pflanze, desto mehr Blätter sind meist zu versorgen. Je mehr Blätter zu versorgen sind, desto mehr Verdunstungsfläche steht zur Verfügung. Ganz einfach würde der Hausverstand sagen. Je weicher bzw. dünner das Blatt ist, desto weniger Speicherfähigkeit ist vorhanden, desto schneller muss also auch nachgegossen werden.

Nadelartige Blätter haben sich nur dadurch gebildet, um die Oberfläche und somit die Verdunstungsfläche zu verkleinern. Wachsbelag, bläulich-gräuliche Färbung, Behaarung – das alles sind natürliche Vorbeugungsmaßnahmen von Pflanzen, um die Verdunstung gering zu halten. Auch die Bildung von Speicherorganen bei Kakteen und Sukkulenten in der Wurzel, am Stamm oder im Blatt gehören hier dazu.

Und auch der Welkezustand an sich ist vorerst eine Vorsichtsmaßnahme der Pflanze. Gerade an heißen Sommertagen. Damit reduziert sich die Verdunstungsoberfläche und zusätzliche Austrocknung wird auf ein Minimum reduziert. Leider ist das Schadbild bei Trockenheit und dauerhafter/absoluter Nässe dasselbe. Bei Trockenheit führt das fehlende Wasser zum Welkezustand. Bei lang anhaltender Nässe sterben die feinen Faserwurzeln ab und dadurch kann ebenso kein Wassernachschub zum Blatt erfolgen.

Gießmenge – Gießhäufigkeit

Das sind zwei unterschiedliche Parameter, die natürlich eng miteinander zusammenhängen. Spricht man von einem hohen Wasserbedarf ist meist ein hohe Wassermenge und ein häufiges Wässern gemeint. Spricht man von einem niedrigen Wasserbedarf ist das meist nur auf die Gießhäufigkeit zu beziehen.

Geduld ist gerade beim Gießvorgang angesagt. Ordentliches Wässern ist immer gut. Oft ist man erstaunt, wieviel Wasser in einem Topf gespeichert werden kann. Selbst in kleinen 12cm Töpfen (0,5l-Töpfe) haben mit Pflanze, Erde und Wurzeln 0,4l Wasser Platz. Natürlich nur bei Qualitätserden. Hat man viel gegossen, so kann man dann lieber längere Pausen einlegen. Das gilt für die Topf- als auch für Pflanzungen in den direkten Boden. Klassisches Beispiel ist der Rasen. Bitte niemals täglich kurz gießen, sondern immer ordentlich durchdringend mit mehreren Tagen Pause.

An sich kann man sich diese Erkenntnis wieder an der Durchwurzelung bildhaft vor Augen führen. Wurzeln wachsen, um Wasser zu finden. Je größer die Pausen beim Gießen, desto mehr Anreiz zu besserer Durchwurzelung, desto größer der mögliche Speicherraum für Wasser. Je mehr Wurzeln, desto besser geht es Ihrer Pflanze – denken sie nur an Orchideen.

Welches Wasser soll ich wählen?

Das ist meiner Meinung nach eine weit überschätzte Frage. Regenwasser ist hier sicher die erste Wahl, ist es nicht nur für die Pflanze das beste, so ist es auch das günstigste und beste vom Umweltansatz. Sorgen Sie auf jeden Fall für ein gutes Gieß-Equipment, dann macht Gießen noch mehr Freude!

Haben Sie nur Leitungswasser zur Verfügung ist dies pflanzentechnisch gesehen in der Regel kein Problem. Die richtige Menge und die richtige Häufigkeit führen zum Eingehen, nur in ganz seltenen Ausnahmefällen das falsche Wasser.

Am Abend oder Morgen?

Das ist sie – die Gretchenfrage unter den leidenschaftlichen Gießern. Dass man nicht in der Mittagssonne gießen sollte, hat sich ja schon herumgesprochen. Abends findet man oft am leichtesten Zeit und Muße für diese Arbeit. Der Schneckengeplagte wird allerdings hier keine Freude haben, da diese dann die Nacht hindurch bequemlichst dinieren. Also von uns gibt es daher keine eindeutige Antwort!

Wie beuge ich Fehlern vor?

  • Auspflanzung vor Topfpflanzung
  • Richtige Wahl der Topfgröße
  • Qualitätserden verwenden
  • Pflanzen mit ähnlichen Ansprüchen zusammenpflanzen
  • ordentlich wässern, lieber längere Pausen
  • Kontinuität bei Gießintervallen
  • für gutes Gieß-Equipment sorgen
  • Auspflanzungen an Hitzetagen vermeiden
  • Zeit nehmen und Geduld üben
  • Wetterextreme richtig einschätzen
  • Gießbereiche für jedermann/jederfrau festlegen

Wie behebe ich einen Trockenschaden?

Liegt ein Trockenschaden vor, kann dieser oft sehr schnell und einfach durch einen Rückschnitt und ein zeitgleiches Umtopfen behoben werden. Danach wird natürlich auch gut eingewässert. Die Pflanze treibt dann oft sehr rasch wieder aus und  kann sodann auch wieder stärker gegossen und für eine gute Erholung leicht gedüngt werden.

Wie behebe ich einen Nässeschaden?

Beim Nässeschaden kommt es in erster Linie auf Anzahl der zerstörten bzw. abgefaulten Wurzeln an. Hier sollten auf jeden Fall die Wurzeln begutachtet werden. Faulige entfernt man, überschüssige nasse Erde ebenso. Ein Rückschnitt der verbleibenden Wurzeln sowie der Pflanze ganz allgemein ist ebenso gesundheitsfördernd. Die Pflanze gehört dann ebenso in frische artgerechte Erde neu getopft. Vielleicht ist auch die Topfgröße etwas zu verkleinern.

Danach ist es wichtig, ein einmaliges ordentliches Wässern durchzuführen, um den Erdkontakt herzustellen. Erst dann sorgt man für eine längere Trockenperiode. Auch halbschattige bis schattige Plätze sind hier zu bevorzugen. Sobald die Pflanze langsam neue Triebe bzw. Blätter bildet, kann der Gießintervall wieder verkürzt werden. Erst wenn wieder genug Laubmasse vorhanden ist, kann auch wieder an ein Düngen gedacht werden.

Wie verhalte ich mich beim Düngen im Sommer?

Der Düngeintervall ist dem Gießintervall in der Regel anzugleichen. Je mehr Wasser verbraucht wird, desto mehr Nährstoffe sollten auch der Pflanze zur Verfügung gestellt werden. Gerade bei reich blühenden Sommerblühern oder stark wachsenden Fruchtpflanzen können hier bei jedem zweiten Wässern Düngegaben verordnet werden.

Natürlich sollten aber auch früh genug etwaige Wachstumspausen bedacht werden und gegen Ende der Saison das Düngen reduziert bzw. eingestellt werden. Die Pflanze soll ja ihr Wachstum in Ruhe abschließen können, um die „Winterpause“ ruhig anzugehen.

Beachten Sie auch hier die Unterschiede zwischen Topf- und Freilandwachstum sowie den Unterschied zwischen Biodüngern und konventionellen Düngern. In der Gärtnerei beraten wir Sie gerne weiter!

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